Auf der Hütte
Almen, Hütten und wie man sich benimmt
Was eine Alm von einer Schutzhütte unterscheidet, wie das mit den Alpenvereinen funktioniert, und ein paar Regeln, die nirgends angeschrieben sind und trotzdem gelten.
Alm ist nicht gleich Hütte
Eine Alm ist zuerst einmal Weide. Im Sommer wird das Vieh hinaufgetrieben, und jemand bleibt oben und schaut darauf: der Halter, oder die Sennerin, wenn auch Käse gemacht wird. Die Almhütte ist ihr Arbeitsplatz und für drei Monate ihr Zuhause. Wenn dort ausgeschenkt wird, ist das ein Nebenerwerb und kein Gasthaus. Es gibt, was es gibt, und wenn die Buttermilch aus ist, ist sie aus.
Eine Schutzhütte ist dagegen dafür gebaut, dass Bergsteiger dort essen und übernachten. Viele gehören einem alpinen Verein, in Österreich vor allem dem Alpenverein und den Naturfreunden, und werden von einem Hüttenwirt oder einer Hüttenwirtin gepachtet. Dazwischen gibt es alles Mögliche: Jausenstationen, Almgasthäuser mit Zufahrt, Hütten, die eigentlich Restaurants sind.
Wie das mit den Vereinen funktioniert
Die Hütten der Alpenvereine sind grob danach eingeteilt, wie abgelegen und wie einfach sie sind. Ganz oben stehen einfache Stützpunkte, die man nur zu Fuß erreicht und wo man isst, was auf den Tisch kommt. Weiter unten gibt es Hütten, zu denen fast eine Straße führt und die sich eher wie ein Ausflugsgasthaus anfühlen. Welche Kategorie eine Hütte hat, steht bei den Vereinen. Für mich ist die wichtigere Frage meistens, ob es eine Suppe gibt.
Wer bei einem Alpenverein Mitglied ist, zahlt auf den Hütten weniger fürs Übernachten, und auf vielen gibt es ein einfaches Bergsteigeressen zu einem günstigeren Preis. Das gilt meist auch auf den Hütten der anderen großen Alpenvereine. Bei meinem Verein ist eine Versicherung für Bergungskosten dabei, und das war am Ende das eigentliche Argument: Ein Hubschrauber ist teuer, und ich bin nicht so trittsicher, wie ich gern wäre.
Im Winter sind die meisten Hütten zu. Manche haben einen Winterraum, der offen bleibt oder mit einem Vereinsschlüssel aufgeht, mit Decken, einem Ofen und sonst nicht viel. Ich hab noch nie einen gebraucht und hoffe, das bleibt so.
Was nirgends angeschrieben steht
- Grüßen
- Am Berg sagt man „Griaß di“ oder „Servus“, und man ist per Du, auch mit dem Hüttenwirt. Wer auf einer Alm „Guten Tag“ sagt, wird nicht unfreundlich behandelt, aber erkannt.
- Dazusetzen
- Wenn alle Tische besetzt sind, fragt man, ob noch frei ist, und setzt sich dazu. Auf einer Hütte sitzt niemand allein an einem Tisch für acht.
- Schuhe aus
- Auf Hütten mit Lager bleiben die Bergschuhe im Schuhraum, der Rucksack kommt nicht ins Lager, und die Stöcke stehen draußen im Ständer.
- Hüttenruhe
- Meistens ab zehn. Nach einem Bergtag ist man um diese Zeit ohnehin müde, und wer um vier aufsteht, um auf einen Gipfel zu gehen, hat ein Recht auf Schlaf.
- Absagen
- Wer reserviert hat und nicht kommt, sagt ab. Oben wird für jeden gekocht, der angemeldet ist, und das Essen ist mit der Materialseilbahn oder dem Hubschrauber hinaufgekommen.
- Bar zahlen
- Viele Almen nehmen nur Bargeld, und auch Hütten mit Kartenleser haben nicht immer Netz. Trinkgeld ist üblich.
- Müll mitnehmen
- Auch die Bananenschale. Sie braucht dort oben ewig, bis sie weg ist, und sie gehört dort nicht hin.
- Wasser und Strom sparen
- Viele Hütten leben von Regenwasser und Solarstrom. Eine Dusche gibt es oft gar nicht oder nur für kurz, und das Handy lädt man daheim.
Mit dem Vieh auf der Weide
Auf einer Alm ist man Gast auf einer Weide. Gatter lässt man so, wie man sie vorgefunden hat, und meistens heißt das: zu. Durch hohe Wiesen geht man nicht quer, das ist Futter für den Winter.
Kühe mit Kälbern sind kein Streichelzoo. Mutterkühe verteidigen ihre Jungen, und ein Hund schaut für sie aus wie ein Wolf. Ich gehe in einem großen Bogen außen herum, ruhig und ohne Hektik, und schaue den Tieren nicht lange in die Augen. Wer mit Hund geht: an die kurze Leine, und wenn eine Kuh doch angreift, die Leine loslassen. Der Hund ist schneller als man selbst.