Almweg / Touren / Schladminger Tauern, Steiermark
Schladminger Tauern, Steiermark · August 2026
Auf die Hütte am Sattel
Die anstrengendste Tour hier und die einzige, bei der ich wirklich nass geworden bin.
Der Weg
Vom Talboden geht es zuerst an einem Wasserfall vorbei, so nah, dass man die Gischt im Gesicht spürt. Um sieben in der Früh war das angenehm. Am Nachmittag war es mir dann egal, nass war ich da sowieso.
Danach kommen gut zwei Stunden Steig durch Lärchen und Zirben, die Ende August an den Spitzen schon ein bisserl gelb werden, und darüber ein Kar voller großer Blöcke. Das ist Urgestein, nicht der helle Kalk wie im Salzkammergut: dunkel, rau, und die Sohlen haften daran wie an Schmirgelpapier, solange es trocken ist.
Die Hütte sieht man lange, bevor man dort ist. Das hilft nicht. Die letzten zweihundert Höhenmeter hab ich mit Zählen verbracht: hundert Schritte, kurz stehen, hundert Schritte.
Oben
Frittatensuppe, dann ein Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster, weil man nach tausend Höhenmetern nicht vernünftig sein muss. Die Portion war vermutlich für zwei gedacht. Ich hab sie allein gegessen und bereue nichts.
In der Stube riecht es nach Holz, nassen Socken und Suppe. An der Wand hängt ein Barometer, und alle paar Minuten steht jemand auf und klopft dagegen, als würde es dadurch eine andere Meinung bekommen.
Das Wetter
Der Bericht hatte Gewitter ab dem späten Nachmittag angekündigt. Um halb eins standen über dem Grat die ersten Türme, und beim Kassieren hat der Wirt nebenbei gesagt, wer heute noch runter will, sollte jetzt gehen. Ich bin gegangen.
Eine Stunde später, mitten im Kar, ging es los: zuerst dicke einzelne Tropfen, dann Graupel, so dicht, dass der Weg in ein paar Minuten weiß war. Ich hab mich unter einen überhängenden Block gehockt, die Stöcke ein Stück weggelegt und gezählt, wie viele Sekunden zwischen Blitz und Donner vergehen. Es waren nie weniger als sechs, und nach zwanzig Minuten war das Ärgste vorbei.
Unten war ich nass bis auf die Unterhose. Meine Zeit für diese Tour ist deshalb die einzige im ganzen Wanderbuch, die langsamer ist als die Faustregel, und ich lass sie so stehen.
Beim nächsten Mal
Wenn der Hüttenwirt etwas übers Wetter sagt, ist das keine Plauderei. Und eine zweite Garnitur Socken im Auto lassen.