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Gesäuse, Steiermark · Juni und Juli 2026
Zweimal unter die Wand
Beim ersten Mal hab ich hundert Höhenmeter unter der Hütte umgedreht. Beim zweiten Mal gab es Hollersaft und warmen Topfenstrudel.
Das erste Mal, im Juni
Anfang Juni, unten war längst Sommer. Der Steig zieht durch steilen Buchenwald hinauf und dann in eine Rinne, und genau in dieser Rinne lag noch ein Schneefeld. Hart, grau, mit Steinen drin, und darunter ging es ein gutes Stück hinunter. Grödel hatte ich keine mit.
Zwei Leute vor mir sind auf allen vieren hinübergekrochen. Ich bin eine Weile davor gestanden, hab mir das angeschaut und bin umgedreht. Die Jause hab ich auf einem Stein im Wald gegessen, mit Blick auf die Wand, zu der ich nicht hingekommen bin. Geärgert hab ich mich bis zum Auto, ungefähr.
Das zweite Mal, im Juli
Vier Wochen später war das Schneefeld weg und die Rinne nur noch Schutt: rutschig, aber harmlos. Erst ohne Schnee sieht man, wie steil sie eigentlich ist, und im Nachhinein war ich ganz froh über den Juni.
Die Wand darüber ist hellgrau und so hoch, dass man den Kopf weit in den Nacken legen muss. Am späten Vormittag hört man von oben die Stimmen von Kletterern, sieht sie aber nicht, nur ab und zu rieselt etwas herunter. Direkt unter die Wand setzt man sich also besser nicht.
Oben
Die Jausenstation ist klein, vier Tische im Freien und ein Hund, der unter jedem davon nachschaut. Es gab Hollersaft, selbst angesetzt, Speckbrot und Topfenstrudel, der noch warm war. Ich hab zwei Stück gegessen, eines davon als Wiedergutmachung für den Juni.
Beim nächsten Mal
Im Frühsommer vorher fragen, ob in den Rinnen noch Schnee liegt. Und Grödel einpacken, auch wenn man sich damit im Juni ein bisserl blöd vorkommt.